Beschreibung:
Das verlorene Tal
ist mehr als eine Erzählung. Auch mehr als ein autobiographischer Bericht über ein Hirtendasein in den Zermatter Alpen. Das verlorene Tal ist ein Zeitdokument. In spannenden Abschnitten erleben wir den Alltag einer Bergbauernfamilie in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, ihren harten Kampf, die langen Winter zu überleben, aber auch die vielen heiteren und fröhlichen Episoden eines gesunden Menschenschlages.
Wir müssen dem Autor dankbar sein, daß er in so offener und freimütiger Art von sich und seinen Eltern erzählt. Von der Mutter, die sich als Novizin aus dem Kloster stiehlt, vom Vater, der, nach erfolgreichem Expeditionen, als geschlagener Bergführer mit erfrorenen Gliedern aus den Anden nach Hause zurückkehrt.
Von ganz besonderer Dichte und eigenem Reiz sind die Erlebnisse, in denen der Autor aus eigenen Erinnerungen schöpft. Seiner ersten Jugendsohle begegnen wir im Beichtstuhl. Er holt den zechenden Vater aus der Pinte, verbringt mit einer mannsvollen Sennerin den Sommer auf der Alp, muß in stockfinsterer Nacht durch einen sagenhaften Geisterweg, um einem kranken Tier Hilfe zu bringen, und besucht auf einem gefahrvollen Weg seine Mutter in der Matterhornhütte, die dort als Köchin die Bergsteiger betreut.
In der Einsamkeit des Hirtenlebens redet der Junge mit den Bergen, hört Laute, die vielleicht einer Quelle verplaudert, und betrachtet am Himmel seltsame Wolkengebilde. Die Fremden nennen ihn öfters «Geißpeter», obwohl er mit Johanna Spyris Geißpeter wenig Gemeinsames hat.
Ein Armbruch bringt dem wilden Buben ein völlig anderes Dasein. Infolge Komplikationen sucht er Hilfe im Kinderspital in Bern. Es gelingt den Ärzten, den Arm vor einer Amputation zu retten. Der anschließende Prozeß gegen den Landarzt findet ein unrühmliches Ende. Um die Prozeßkosten zu decken, müssen die Eltern eine der beiden Kühe hergeben. Als die Zukunftsaussichten recht düster aussehen, findet sich im Teehüttli Aroleid ein holländisches Ehepaar ein. Sie bauen dem Jungen eine Brücke in ein neues Leben. Seinen Traumberuf, Bergführer zu werden, muß er aber begraben. Er verläßt das Tal. – Das verlorene Tal.
Hannes Taugwalder schreibt in einer ihm eigenen urchigen Sprache. Seine kritische Betrachtungsweise, die an vielem Althergebrachten kratzt, reizt immer wieder zum Schmunzeln. Vom Schicksal des Knaben ist man gepackt.